Interview mit Prof. Dr. Joachim Rogall zum Thema „gute Lehrerbildung“ und „gute Schule“

Bildungschancen hängen maßgeblich von Lehrkräften ab, die entsprechend gut ausgebildet sein müssen. Mit dem bundesweit einzigartigen Studienkolleg unterstützen die Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw) und die Robert Bosch Stiftung GmbH seit 2007 leistungsstarke, gesellschaftlich engagierte Lehramtsstudierende und –promovierende.

Anlässlich des 25. Jubiläums der sdw hat Prof. Dr. Joachim Rogall, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch Stiftung und Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Stiftungen, im folgenden Interview seine Standpunkte zu den aktuellen Herausforderungen  für „gute Lehrerbildung“ und „gute Schule“ dargelegt:

Was macht für Sie eine „gute Lehrerbildung“ aus und wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf in der derzeitigen Ausbildung?

Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass es in den Hochschulen ein klar definiertes Verständnis vom Lehrerberuf gibt und dass die einzelnen Hochschulen ihre strategischen Ziele für die Lehrerbildung formulieren.

Außerdem ist eine deutlich stärkere Kooperation auf verschiedenen Ebenen notwendig: So müssen die Verantwortlichen aller drei Phasen der Lehrerbildung (Hochschule, Vorbereitungsdienst sowie Fort- und Weiterbildung) zusammenarbeiten und dafür sorgen, dass die verschiedenen Ausbildungsabschnitte stärker miteinander verzahnt sind und ein kohärenter Ausbildungsweg angeboten wird.

Auch innerhalb der Hochschule sollten die Professoren der Fachwissenschaften, Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften stärker systematisch zusammenarbeiten. Bisher werden die spezifischen Anforderungen der Lehramtsstudierenden in den Fachwissenschaften noch zu wenig berücksichtigt, so dass es den Studenten schwerfällt, die Verknüpfungen zu den Fachdidaktiken und den Bildungswissenschaften herzustellen.

Eine sinnvolle Verknüpfung theoretischer und praktischer Inhalte im Lehramtsstudium ist zwingend. Das Theorie-Praxisverhältnis sowie die Vorbereitung, Begleitung und Reflexion von Praxisphasen sollten konzeptionell neu durchdacht werden. Die Studenten sollten eine Methodenausbildung bekommen, die sie als Basis für forschendes Lernen in den Praxisphasen einsetzen können.

Angesichts hoher Abbruchquoten im Lehramtsstudium ist die kontinuierliche Begleitung und Beratung der Studenten besonders wichtig. Diese beginnt mit einer Eignungsabklärung für den Lehrerberuf und wird mit individuellem Feed-Back und Anleitung zur Selbstreflexion fortgesetzt.

Und noch ein letzter Punkt. In der Lehrerbildung bedarf es einer intensiveren Forschungsorientierung, dies macht die Lehrerbildung in der Hochschule anschlussfähig und attraktiv. Forschungskooperationen zwischen Hochschulen und Schulen, wie wir sie im Rahmen des Deutschen Schulpreis fördern, sind gewinnbringend für beide Seiten.

Welchen Beitrag können Stiftungen zur Lehrerbildung leisten?

Stiftungen können Anstöße für die Weiterentwicklung der Lehrerbildung geben.

Dies tun wir gemeinsam mit der Stiftung der Deutschen Wirtschaft im Studienkolleg für Lehramtsstudierende. Mit diesem in Deutschland einzigartigen Stipendienprogramm unterstützen die beiden Stiftungen leistungsbereite Lehramtsstudierende und -Doktoranden darin, sich zu engagierten Schulgestaltern von morgen zu entwickeln. Zudem erhalten die Teilnehmenden ein Stipendium aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Kontinuierlich befinden sich rund 400 Lehramtsstudierende  aus ganz Deutschland in der Förderung.

Ein weiteres Beispiel ist der Monitor Lehrerbildung, ein Kooperationsprojekt von Bertelsmann Stiftung, CHE Centrum für Hochschulentwicklung, Deutsche Telekom Stiftung, Robert Bosch Stiftung und Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Er bietet als einziges Online-Portal einen deutschlandweiten Überblick über die Strukturen und Inhalte der ersten Phase der Lehrerbildung, das Lehramtsstudium. Die Daten werden in regelmäßigen Abständen in den 16 Bundesländern sowie an lehrerbildenden Hochschulen erhoben. Sie bieten den Verantwortlichen in der Lehrerbildung aus Verwaltung, Politik und Hochschule eine fundierte Informationsbasis für Entscheidungen im Feld oder die Weiterentwicklung des Lehramtsstudiums.

Eine aktuelle Schulleiterbefragung im Rahmen des Monitors Lehrerbildung zeigt z.B., dass wichtige Bildungsthemen in der Lehrerbildung nur unzureichend behandelt werden. Genannt wurden u.a. die Gestaltung von Unterricht und die Gestaltung zusätzlicher Bildungsangebote im Ganztag, Umgang mit Leistungsheterogenität sowie sozialer und kultureller Vielfalt. Außerdem sind der Unterricht mit Hilfe digitaler Medien und die entsprechenden didaktischen Konzepte noch ein großes Entwicklungsthema, das auch von der Bund-Länder Qualitätsoffensive Lehrerbildung aufgegriffen wird.

Aktuell wird aufgrund des Lehrkräftemangels weniger über die Qualität als die Quantität von Lehrern diskutiert. Wie kann ein Lehramtsstudium wieder attraktiver für Schüler gestaltet werden?

Als Stiftungen haben wir die Chance, die Bedeutung von Bildung in unseren Programmen und Projekten herauszustellen. Lehrkräfte  gestalten die Bildungskarrieren ihrer Schüler maßgeblich mit und tragen somit eine hohe Verantwortung. Der Beruf verdient höchste gesellschaftliche Anerkennung, daran müssen wir im Bildungssektor weiterarbeiten. Bei den jungen Menschen, die sich für ein Studium bzw. einen Beruf entscheiden, muss die Attraktivität des Lehrerberufs ankommen. Lohnend wäre es sicher, junge engagierte Lehrer und Lehrerinnen, z.B. aus dem Studienkolleg, mit Schülern in der Berufsorientierungsphase zusammenzubringen. Außerdem sollten die Hochschulen an der Sichtbarkeit und Außenwirkung der Lehramtsstudiengänge arbeiten. Eine Willkommenskultur für Lehramtsstudierende, die zum Teil durch die Lehrerbildungszentren als Anlaufstelle realisiert wird, ist ebenso förderlich.

Für junge Menschen ebenfalls wichtig ist die Mobilität im Lehrerberuf bundesweit und EU-weit, auch diese muss zukünftig weiterbefördert werden, um den Ansprüchen der nachwachsenden Lehrergeneration gerecht zu werden.

Neben didaktischen und methodischen Kompetenzen rückt auch immer mehr die pädagogische Haltung von Lehrkräften als Einflussfaktor auf die Unterrichtsqualität und das Schulklima in den Vordergrund. Wie können angehende Lehrkräfte unterstützt werden, um diese professionelle pädagogische Haltung zu entwickeln?

In Veröffentlichungen rund um Schulreformen heißt es, dass die Haltung von Lehrkräften ein ausschlaggebender Faktor für die individuelle Förderung von Schülern, die Unterrichtsqualität und das Schulklima ist. Neben didaktischen und methodischen Kompetenzen trägt die Haltung von Lehrkräften maßgeblich zum Lernerfolg (oder auch zum Misserfolg) der Schüler bei. Eine professionelle Haltung ist eine Schlüsseldimension, die das Denken und Handeln von Fachkräften grundlegend beeinflusst.

Auch im Begleitprogramm des Studienkollegs für Lehramtsstudierende greifen wir das Thema der pädagogischen Haltung auf. In verschiedenen Veranstaltungsformaten wie Akademien, Leadership-Werkstätten und Peer-Coaching Gruppen machen wir den Stipendiaten Angebote, die darauf abzielen, sich mit der pädagogischen Haltung auseinanderzusetzen und entsprechende Selbstkompetenzen zu entwickeln. Solche Formate sind sicherlich für Universitäten in der Lehrerbildung schwer zu realisieren, es wäre aber ein Versuch wert, ob nicht die Lehrerbildungszentren hierzu Angebote machen könnten.

Im diesjährigen Forum Leadership in der Lehrer/innenbildung, der bundesweiten Veranstaltung für Verantwortliche in der Lehrerbildung (14./15.11.2019 in der Repräsentanz der Robert Bosch Stiftung in Berlin) greifen wir gemeinsam mit der Stiftung der Deutschen Wirtschaft das Thema „Wie entwickeln wir eine professionelle pädagogische Haltung“ ebenfalls auf.

Wie müsste eine Schule aussehen, auf die Sie gerne gehen würden?

Wir beschäftigen uns in der Robert Bosch Stiftung mit der Frage: „Wie sieht die Schule der Zukunft aus?“ Die Preisträger des Deutschen Schulpreises geben uns hier wichtige Hinweise. Sie arbeiten bereits mit Konzepten des individuellen und selbständigen Lernens, digitalen Medien, einem hohen Maß an Partizipation der Schüler und gehen innerhalb der Schulgemeinschaft wertschätzend miteinander um. Mit solchen Ansätzen nähern wir uns der Frage, wie Lernen für die Zukunft aussehen soll. Denn die Welt, in der wir leben, verändert sich rasant, ist komplex und vielfältig.

Wenn Sie mich fragen, auf was für eine Schule ich gerne gehen würde, dann wäre es eine Schule, die mir eine solide Allgemeinbildung vermittelt und sich gleichzeitig auch mit neuen Lernformen und dem Lernen für die Zukunft auseinandersetzt. Eine Lernumgebung, die es mir als Schüler erlaubt, meine Fragen und Interessen zu verfolgen, zu experimentieren und aktiv, konstruktiv sowie sozial zu lernen. So erwerbe ich nachhaltiges Wissen, auf dem ich jederzeit aufbauen kann, das in meinem Leben Anwendung findet und damit wirklich „lebt“.


Foto: Robert Bosch Stiftung GmbH

Ingo Kramer im Video-Interview zum Jubiläum #25Jahresdw

In diesem Jahr feiern wir das Jubiläum 25 Jahre Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw), im kommenden Jahr ist Ingo Kramer ein Jahrzehnt lang Vorstandsvorsitzender der sdw. Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) übernahm das Ehrenamt im Vorstand der sdw im Jahr 2010 von Prof. Dr. Klaus Murmann. Im Interview zum Jubiläum #25Jahresdw erklärt Ingo Kramer, warum es heute noch so wichtig ist, Chancen zu stiften. Außerdem berichtet der 66-Jährige von seinen Erfahrungen als Vertrauensmanager der sdw-Stipendiaten-Gruppe Bremen-Oldenburg und wagt einen Blick in die Zukunft der sdw.

Neue Führungsformen für eine verflüssigte Welt

Wer New Work ernst nimmt, baut nicht nur das Büro um und Hierarchien ab, sondern hinterfragt auch sich selbst. Das kann unangenehm sein. Der Erkenntnisgewinn ist aber groß

Joana Breidenbach über Erkenntnisgewinne durch New Work

Von Joana Breidenbach

Ich bin eher zufällig Unternehmerin geworden. In meiner ersten Karriere erforschte ich als Sozialanthropologin die kulturellen Auswirkungen der Globalisierung und schrieb populärwissenschaftliche Bücher. Auf einer sechsmonatigen Weltreise mit meiner Familie im Jahre 2006 kam uns dann die Idee für eine Plattform für soziales Engagement, die später betterplace.org wurde.

Schnell merkte ich, dass mir Unternehmungen liegen; der Mix aus Vision und Anpacken, Nachdenken und Netzwerken bediente meine Freude am Gestalten. Doch ebenso schnell war mir klar, dass ich keine herkömmliche Führungskraft sein konnte. Ich wollte co-kreieren, mich inspirieren lassen und andere inspirieren. Nicht wie ein Kapitän von der Steuerbrücke der Mannschaft Anweisungen geben, sondern einen Tanz veranstalten, in dem mal der eine, mal der andere in Führung geht.

Abenteuer: Selbstorganisation

Als ich 2014 dann im betterplace lab, dem Think Tank, den wir aufgebaut hatten, um digitale Trends für das Gemeinwohl zu erforschen, offiziell die Führung abgeben wollte, erzählte mir ein Kollege von Frederic Laloux’ gerade erschienenem Buch „Reinventing Organizations“. In ihm beschreibt Laloux neue Formen der Zusammenarbeit, die ohne Chefs und Manager auskommen. Das ganze Team des betterplace lab war begeistert von dieser Vision und machte sich – unterstützt von der Organisationsentwicklerin Bettina Rollow – daran, völlig neue Strukturen und Prozesse aufzusetzen, um meine alten Aufgaben im Team neu zu verteilen.

Das Ergebnis kann man heute in der betterplace lab Verfassung online nachlesen: Wir entwarfen kollegiale Beratungsprozesse und Konfliktregelungen. Kollegen stellen Kollegen ein. Sie machen gemeinsam die Jahresplanung und verhandeln ihre Gehälter untereinander. Das Ergebnis sah maximale Freiheiten für jeden Mitarbeiter vor und wir erwarteten uns davon einen großen Motivations- und Innovationsschub.

Doch zu unser großen Bestürzung trat das Gegenteil ein: Statt kraftvoll und mutig voranzuschreiten, fühlte sich das von Hierarchien und festen Rollenbeschreibungen befreite Team, verunsichert und gelähmt. Der Druck, der früher auf mir als Chefin lastete, verteilte sich im ganzen Team, denn jetzt war es jedermanns Aufgabe, gute Projekte zu akquirieren, Gehälter zu zahlen und schwelende Spannungen zu bearbeiten.

Strukturen im Inneren aufbauen

Schnell wurde uns klar, dass neue Führungsformen nicht gelingen können, wenn sie nur die äußeren Strukturen und Prozesse verändern. Stattdessen muss Transformation ganzheitlich sein und darauf abzielen, die Kompetenzen, Interessen und Bedürfnisse jedes Teammitglieds einzubeziehen und weiter zu entwickeln. Selbstorganisation erfordert persönliches Wachstum.

Denn wir lernten ein wichtiges Prinzip kennen: Wenn wir äußere Strukturen reduzieren, indem wir zum Beispiel feste Hierarchien verflachen oder ganz abschaffen, verlieren wir wichtige Orientierungen für unser eigenes Verhalten. Dies führt zu Angst und Unsicherheiten und dementsprechend müssen wir Sicherheit an anderer Stelle aufbauen: in unserem Inneren.

Dies ist eine der zentralen Lernerfahrungen die wir im betterplace lab in den letzten fünf Jahren gemacht haben: Um im Außen frei und flüssig arbeiten zu können, müssen wir – jeder Einzelne – innerlich wesentlich klarer und orientierter sein. Wir müssen uns selbst besser kennenlernen; wissen, was uns wichtig ist, was uns motiviert oder provoziert. Wir lernten auch, dass selbstorganisierte Unternehmungen nie so sicher sein können wie solche, in denen es viele feste Regeln gibt. Und dass nicht jeder Mensch dafür geeignet ist.  

Der zweite Job: sich verstecken

In ihrem Buch An Everyone Culture: Becoming a Deliberately Developmental Organisation beschreiben der Harvard-Entwicklungspsychologe Robert Kegan und seine Kollegen das Phänomen, dass in normalen Unternehmen Mitarbeiter einen zweiten, unbezahlten Job machen: Sie verstecken ihr wahres Selbst. Insbesondere unsere Schattenseiten, unangenehme, vermeintlich negative Aspekte unserer Persönlichkeit, Gefühle wie Scham, Angst oder Unsicherheit, haben in der etablierten Arbeitswelt keinen Platz. Dieses Verstecken kostet nicht nur viel Energie, es behindert auch unsere Weiterentwicklung. Denn Lernen findet nur außerhalb der Komfortzone statt.

Indem wir Schritt für Schritt lernten, uns als ganze Menschen zu zeigen und miteinander offen über unsere Fähigkeiten und Schwächen, Bedürfnisse und Gefühle zu sprechen, entstand ein großer Vertrauensraum.  

In meist halbtägigen Workshops nahmen wir uns Zeit, uns selbst und einander besser kennenzulernen. Zu verstehen, wie wir beispielsweise die zwei Grundbedürfnisse jedes Menschen nach Sicherheit und Zugehörigkeit auf der einen Seite und nach Selbstausdruck, Freiheit und Wachstum individuell ausbalancieren. Wir übten uns in Selbst- und Metareflexion: Wie agiere ich, wenn ich gestresst bin? Wie arbeiten wir optimal zusammen? Was fördert oder behindert unsere Co-Kreation? Welche Kommunikationsmuster haben sich eingeschleift und wie können wir sie durchbrechen?

Für viele von uns förderten diese Übungen erstaunliche Erkenntnisse zutage: Auch wenn wir natürlich einerseits eine intime Eigenkenntnis hatten, waren die meisten von uns es nicht gewohnt, möglichst präzise und klar über unsere Bedürfnisse, Strategien und Muster zu reflektieren.

Wir lernten in diesen Übungen nicht nur uns selbst besser kennen, sondern auch, wie unterschiedlich wir als Team waren. Vielfalt ist von außen oft nicht so sichtbar. Erst das gemeinsame, tiefere Gespräch offenbart, wie unterschiedlich wir „ticken“ und dass es unweigerlich zu Missverständnissen führen muss, wenn wir unser eigenes Verhalten als Maßstab für das von anderen nehmen.

Die in den Workshops gewonnenen Erkenntnisse bauten wir immer direkt in unseren Arbeitsalltag ein. Denn „inner work“ und transparente Kommunikation sind wie Muskel, die man trainieren muss. Meetings sind ein besonders guter Ort um Neues als Routinen zu verankern: So gehören „Check-ins“ und „Check-outs“ zu jedem längeren Meeting, ebenso wie eine „Energiewächterin“, die darauf achtet, dass Kommunikationsregeln eingehalten werden und die Stimmung im Team fokussiert und aufmerksam bleibt.

Auf dieser Basis ist es möglich, neue, fluide Hierarchien aufzubauen: Erst wenn in einem Team bekannt ist, wer welche Kompetenzen hat, wo Mitarbeiter an ihre Grenzen stoßen und was jeder Einzelne für sein Wohlbefinden und Spitzenleistungen braucht, können wir kompetenzbasierte Hierarchien aufbauen, die temporär für eine Aufgabe gebildet werden und sich danach wieder auflösen. Transparente, vertrauensvolle Kommunikation ist auch unabdingbar, um sich offen über Konflikte auszutauschen, die Jahresplanung gemeinschaftlich zu machen und Gehälter auszuhandeln.

Alle diese Erfahrungen führten uns zur Erkenntnis: New Work braucht Inner Work. Der Fokus auf Unternehmenskultur, klarere Kommunikation und innere Arbeit hat dazu geführt, dass das betterplace lab heute von mir unabhängig ist, Mitarbeiter sich stark entfalten können und wir noch wirksamere Arbeit machen.

Ein neues Kompetenzset

Die Erfahrung der letzten Jahre hat mich inspiriert, Innovation und Unternehmertum neu zu denken. Wir machen zu viel Neues um des Neuen – oder des Geldes – willen. Stattdessen brauchen wir „meaningfull innovations“. Unternehmungen, die Antworten auf die großen ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen bieten. Die Welt brennt und begabte junge Menschen optimieren Online Marketing. Das ist doch vollkommen verrückt!

Um im digital-globalen Zeitalter sinnvolle unternehmerische oder politische Impulse zu setzen, brauchen wir jedoch neue äußere und innere Kompetenzen. Der Werkzeugkasten des industriell-nationalstaatlichen Zeitalters braucht ein Update. Im Außen gilt es, nicht-lineare Prozesse, Feedbackloops, Selbstorganisation und Emergenz zu verstehen. Aber da wir der äußeren Komplexität nur gerecht werden können – sie überhaupt erst wahrnehmen –, wenn wir über den Tellerrand unserer eigenen Befindlichkeiten hinaussehen und Vielfalt und Unsicherheit innerlich beherbergen können, müssen wir ganz neue innere Kompetenzen erwerben.

Digitalisierung verflüssigt die Welt, und nur wer seine eigenen inneren Bewegungen und die seiner Kollegen, Kunden und sonstigen Stakeholder auf dem Schirm hat, kann die bewegte Außenwelt adäquat navigieren und unternehmerisch gestalten.

Joana Breidenbach, Jahrgang 1965, ist promovierte Kulturanthropologin und bringt, wie sie selbst sagt, „liebend gerne Neues in die Welt“. Als Sozialunternehmerin und Seriengründerin hat sie unter anderem die Spendenplattform Betterplace, den Think Tank betterplace lab und das Start-up Carbon Loop Technologies ins Leben gerufen. Außerdem baut sie in Berlin derzeit das „Haus der solidarischen Zukunft“ auf. Im Internet ist sie unter www.joanabreidenbach.de zu finden.

Zum Weiterlesen empfiehlt die Autorin:

  • Joana Breidenbach & Bettina Rollow: New Work needs Inner Work: Ein Handbuch für Unternehmen auf dem Weg zur Selbstorganisation, 168 Seiten, 19,80 Euro
  • Fritjof Capra & Pier Luigi Luisi: The Systems View of Life. A Unifying Vision, 510 Seiten, Cambridge University Press, 25 Euro
  • Jeremy Lent: The Patterning Instinct. A Cultural History of Hunanity’s Search for Meaning, 569 Seiten, Prometheus Books, 23,50 Euro
  • Robert Kegan et al: An everyone Culture. Becoming a Deliberately Developmental Organization, 336 Seiten, Harvard Business Review Press, 27 Euro
  • Frederic Laloux: Reinventing Organizations. Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit, 356 Seiten, Vahlen, 39,80 Euro

Foto: Marc Beckmann

„Die Jungen werden von den Alten ausgespielt!“

Alumnus Dr. Wolfgang Gründinger über die Rechte der jüngeren Generation

Das folgende Interview mit Dr. Wolfgang Gründinger, ehemaliger Promotionsstipendiat und Alumnus des Studienförderwerks Klaus Murmann, ist eine Vorabveröffentlichung aus dem Jubiläumsmagazin der sdw, das zum Jahresende 2019 erscheinen wird.

Wolfgang Gründinger ist Autor des Buches „Alte Säcke Politik“, für das er mit dem Preis für „Das Politische Buch“ ausgezeichnet wurde, Botschafter der Stiftung Generationengerechtigkeit und Referent Digitale Transformation beim Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW). Er versteht sich als Autor, Aktivist und Analyst und war bereits in vielen hochkarätig besetzten Talkrunden Gast im TV. Sein Promotionsthema lautete „What drives the Energiewende?“ und untersuchte den Einfluss von Interessengruppen.

Fotos: David Ausserhofer

„Die Jungen werden von den Alten ausgespielt“

Dort, wo über die Zukunft entschieden wird, sind junge Menschen nicht erwünscht, sagt Wolfgang Gründinger. Deshalb setzt sich der Publizist und Aktivist für die Rechte nachfolgender Generationen ein.

Interview: Marc Winkelmann

Herr Gründinger, „Fridays for Future“ hat zahlreiche Fragen und Forderungen zum Klimawandel und zu unserer Zukunft populär gemacht. Heißt das, dass junge Menschen jetzt Einfluss haben und die Politik ihnen inzwischen auf Augenhöhe begegnet?

Nein. Es gilt noch immer: Wer unter 30 ist, hat nichts zu sagen. Nehmen wir die Diskussion um die sogenannten Upload-Filter vor der Europawahl. Da sprach man den Jüngeren ab, eine eigene Meinung zu haben. Sie seien Bots und wären von Google beeinflusst, hieß es.

Aber „Fridays for Future“ hat doch schon einiges erreicht.

Auch sie wurden lange nicht ernstgenommen. Man hielt ihnen entgegen, dass sie doch zur Schule gehen und den Klimawandel den Profis überlassen sollten. Oder das Video von Youtuber Rezo. Die Reaktion der Parteien und der Leitartikler war: Du hast nicht recht und bist ein Idiot.

Hatten junge Menschen schon mal mehr Einfluss?

Ja, bedingt durch die Tatsache, dass sie früher mehr waren. Sie waren zahlenmäßig präsenter. Heute ist ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung kleiner. Deutschland ist älter geworden, was noch zunehmen wird, und durch diese Vereinzelung sind die Jungen schlecht organisiert. Deshalb wird bei zukunftsrelevanten Themen mit großem Handlungsdruck wie Digitalisierung, Klimaschutz, Energie- und Verkehrswende, Bildungs- und Rentenreform oder dem Mietmarkt zu spät und zu zögerlich gehandelt.

Andererseits gibt es viele 50- und 60-Jährige, die sich so jung fühlen wie keine Generation vor ihnen. Die müssten doch Verständnis für junge Menschen haben.

Das ist eine andere Lebenswelt. Ich bin 35, und schon mein Abstand zu 20-Jährigen ist riesengroß. Die Jungen werden von den Alten ausgespielt.

Ausgespielt?

Die Besitzstandswahrer möchten, dass alles so bleibt. Das sind die konservativen Kräfte, die in Medien, Politik, Gewerkschaften oder Unternehmen alt geworden sind und denen die Umgehungsstraße immer noch wichtiger ist als das Internet. Die möchten keine Belastungen in Kauf nehmen, um jüngeren Generationen eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen.

Alle unter 30 sind also zukunftsgewandt, alle darüber wollen Mauern hochziehen. Ist das nicht zu schlicht gedacht?

Natürlich sind weder die Älteren noch die Jüngeren ein homogener Block. Philipp Amthor von der CDU ist 26 und beweist doch, dass es jüngere Menschen in etablierten Parteien schaffen können.
Aber warum konnte er aufsteigen? Weil er genau das widergibt, was die Älteren hören möchten. Er wurde mit seinem vorauseilendem Gehorsam von den Älteren selektiert. Das ist die latente Macht der Älteren, die nur dann Jüngere nach oben lässt, wenn es ihnen passt.

Wann ist Ihnen zum ersten Mal aufgefallen, dass junge Menschen dort, wo Entscheidungen getroffen werden, unterrepräsentiert sind?

Da war ich 15 oder 16. Damals habe ich in der Bibliothek meines Heimatdorfs ein Buch gefunden: „Die Grenzen des Wachstums“. Darin stand, dass wir in eine ökologische Krise geraten, wenn die Menschheit sich nicht ändert.

Nicht viele Teenager greifen zu „Die Grenzen des Wachstums“.

Es war Zufall. Ich bin in einem armen, unpolitischen Haushalt aufgewachsen. Wir hatten nicht viel mehr als Bücher, die man sich leiht. Und wenn die Bibliothek kaum neue Bücher bietet, nimmt man die alten. Bei der anschließenden Recherche bin ich auf die Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen gestoßen, die sich für ein Wahlrecht für Jugendliche einsetzt und fordert, dass sie beim Rentensystem, der Staatsverschuldung und vielen anderen Fragen, die sie betreffen, mit entscheiden. Das hat mich nicht mehr losgelassen.

Inwiefern?

Ich bin zu UN-Klimakonferenzen gefahren, auf Demos gegangen, habe eine Jugendorganisation mitgegründet und mein erstes Buch zu der Energiewende geschrieben, die damals noch gar nicht diskutiert wurde. Wir Jugendlichen forderten mehr erneuerbare Energien und dass wir raus aus der Kohle müssen. Experten sagten dagegen, dass technisch maximal vier Prozent Erneuerbare möglich wären. Wir wurden verlacht und verspottet.

Gab es auch Erfolge?

Die Politik kam vorbei und ließ sich mit uns fotografieren, aber oft folgte nichts daraus. Das hat uns, die wir ungeduldig waren, sehr frustriert.

Heute gibt es ausgereifte digitale Kommunikationskanäle. Lässt das die Welten zusammenrücken? Darüber wäre doch Austausch und – letztlich – Verständnis möglich.

Nein. Der technologische Wandel verläuft zu schnell und jüngere Menschen nutzen die digitalen Medien ganz anders. Auch im Vergleich zu mir übrigens.

Können jüngere Generationen ihre zahlenmäßige Unterlegenheit durch die digitalen Medien ausgleichen? Zu dem Erfolg von „Fridays for Future“ haben Instagram, WhatsApp und Co. maßgeblich beitragen.

Über die digitalen Plattformen können sie ihre Kommunikation und Entscheidungsprozesse tatsächlich sehr gut organisieren, und ganz offenbar haben sie gelernt, wie man das macht. Die Langlebigkeit von „Fridays for Future“ ist nicht typisch für solche Initiativen. Zudem aber müssen sie laut und radikal sein und viel Durchhaltevermögen haben. Erst dann können sie die Agenda prägen.

Was gehört dazu, heute laut und radikal zu sein?

Man darf sich nicht mit Kleinklein aufhalten, sondern braucht eine Vision, Forderungen wie eine plastikfreie Zukunft oder dass Deutschland klimaneutral werden muss. Diese Ziele muss man hinausschreien – je weniger Verbündete man hat, desto lauter sollte man sein.

Und dann schafft man etwas Bleibendes?

„Fridays for Future“ wird tatsächlich nicht so schnell weggehen, weil dort ein Ökosystem gewachsen ist. Die aktiven Schüler und Studierenden werden die Forderungen weitertragen – in Hochschulen, Vereine, Parteien. Es wird für sie aber kein gemütlicher Spaziergang wie bei den 68ern, sondern ein beschwerlicher Marsch durch die Institutionen. Man wird ihnen Steine in den Weg legen. Die Babyboomer hatten es leichter. Sie waren in der Mehrheit, egal wohin sie kamen. Die heutige Jugend bleibt in der Minderheit.

Marsch durch die Institutionen – bedeutet das, die heutige Jugend soll sich überall Posten und Plätze erobern?

Sie muss überall repräsentiert sein, wo es um ihre Interessen geht. Bei den Rundfunkbeiräten von öffentlich-rechtlichen Medien beispielsweise. Die sind riesig und aufgebläht, aber darin sitzt kein junger Mensch. Oder beim Wahlrecht. In Artikel 20 des Grundgesetzes steht, dass alle Staatsgewalt vom Volk ausgeht. Offenbar gehören aber alle unter 18 Jahren nicht zum deutschen Volk. Sie dürfen nicht wählen.  

Ab wann sollte man wählen dürfen?

Ab dem Zeitpunkt, ab dem er oder sie wählen möchte. Bei den meisten wird das ab 12 oder 13 Jahren der Fall sein. Aber wenn ein Kind mit neun Jahren schon dazu bereit ist und diesen Willen bekundet, dann soll es wählen dürfen.

Ein Argument dagegen lautet, dass Menschen unter 18 nicht reif genug sind.

Von dem Argument halte ich gar nichts. Dann müsste man einen Reifetest für alle Wahlberechtigten einführen. Und womöglich die Hälfte der Deutschen ausschließen, weil die nachweislich nicht sagen kann, ob die Erst- oder Zweitstimme die wichtigere ist.

Selbst bei einer Änderung des Wahlrechts wären junge Menschen in der Minderheit. Deren Stimmen müssten schon doppelt zählen, damit sie spürbar mehr Einfluss gewinnen.

In einer Demokratie zählt jede Stimme gleich viel, das darf nicht geändert werden. Aber wir brauchen eine Quote für junge Menschen. Sie bauen Start-ups auf und verkaufen die für viel Geld oder sind Bestseller-Autoren – nur in der Politik und bei Konzernen sagt man, Jugendliche sind nicht reif genug. Wir sind alt und weise und die sind jung und dumm.

Es gibt Frauen, die eine Quote als Makel empfinden. Sie wollen es aus eigener Kraft schaffen, ohne Krücke.

Aber gelegentlich braucht man eine Krücke als Maßnahme auf Zeit, bis man selbst laufen gelernt hat. Bis die Gesellschaft eine Kultur entwickelt hat, die sich reproduziert. Oft heißt es, regt Euch nicht auf. Der Jugend gehört doch die Zukunft. Das stimmt. Ein Stück Gegenwart wäre aber auch mal ganz nett.

Die SPD hat vor der Europawahl 2019 eine junge Politikerin auf einen vorderen Listenplatz gesetzt – der ihr nach dem Ergebnis des Nominierungsparteitags nicht zugestanden hätte. Das kam nicht überall gut an.

Abstrakt will jeder Junge und Frauen fördern und spricht sich für Klimaschutz und vielleicht sogar die Digitalisierung aus. Aber wenn es konkret wird, lehnt man es dann doch wieder ab.

International gab es Versuche, die Interessen junger Menschen in parlamentarischen Prozessen zu berücksichtigen. In Wales nennt sich Sophie Howe „Commissioner for Future Generations“, in Schweden wurde vorübergehend eine Ministerin für strategische Entwicklung ernannt, auch in Israel oder Ungarn wurde experimentiert. Sollten das Vorbilder für uns sein?

Mein Vorschlag für Deutschland lautet anders. Wir sollten die zahlreichen existierenden Beratungsgremien konsolidieren, den Parlamentarischen Beirat für Nachhaltige Entwicklung reformieren und als ständige Kommission aufwerten. Zur Hälfte könnte das Gremium mit Parlamentariern und zur Hälfte mit jungen Menschen besetzt sein, die vom Bundespräsidenten ernannt werden. Das Gremium bekäme mehr Ressourcen und ein Anhörungsrecht im Bundestag – so würde man es auch medial stärken. Über den Jahresbericht des Sachverständigenrats der Wirtschaftsweisen berichten viele Medien. Über die Berichte des Sachverständigenrats für Umweltfragen bislang nicht.

Die ausländischen Beispiele sind zarte Pflänzlein, die größtenteils wieder abgeschafft wurden. Ein Indiz dafür, dass der Widerstand überall groß ist?

Deutschland ist sehr konservativ, aber viele andere Länder genauso. Dabei ist Generationengerechtigkeit kein progressives, liberales oder sozialistisches Projekt, sondern ein konservatives. Es soll etwas bewahrt werden. Aber viele, die sich als konservativ bezeichnen, wollen das Falsche bewahren. Oder den Wandel so langsam gestalten, dass alle mitkommen.

Was in einer Demokratie wichtig ist.

Viele konservative Vordenker, angefangen bei Adenauer, haben nicht nach Mehrheiten gehandelt. Sie haben an ein Projekt geglaubt und das durchgezogen, auch auf die Gefahr hin, nicht wiedergewählt zu werden. Unsere Große Koalition der letzten Jahre hat nichts dergleichen. Sie handelt ohne Strategie. Energiewende, Verkehrswende, Regulierung des Finanzmarktes, Digitalisierung, Klimaschutz – nichts wurde zu Ende geführt. Wenn das Konservatismus ist, dann ist das nicht der Konservatismus, den ich mir wünsche.

Muss auch die Möglichkeit zur Mitarbeit in Parteien geändert werden? Deren analoge Präsenzkultur widerspricht häufig der Lebensrealität junger Menschen, die digital und viel unterwegs sind.

Wir brauchen Strukturen, die eine zeitlich begrenzte Mitarbeit an bestimmten Themen ermöglichen, egal wo man lebt. Vielleicht ginge das über eine Art Talentbörse: Jeder schreibt auf, was er leisten kann, und Parteien rufen das gezielt ab. Auf solche Veränderungen zielen viele Parteireformen und Initiativen ab. Aber die historisch gewachsenen Hierarchien halten sich zäh.

Kann es jungen Menschen überhaupt gelingen, sich aus eigener Kraft mehr Gehör zu verschaffen?

Nein. Sie brauchen Verbündete – bekannte, mächtige Sprachrohre bei den Älteren, die sich zu Anwälten nachfolgender Generationen machen. Es gibt ja vernünftige ältere Menschen. Ohne diesen Pakt sehe ich nicht, dass die Generationengerechtigkeit kommt.

Andererseits erleben wir, dass gerade jüngere Frauen auch ohne ältere Verbündete laut und aktiv werden: Greta Thunberg und Luisa Neubauer von „Fridays for Future“, die Kapitänin Carola Rackete …

…  das geht ja noch weiter. In den USA machen die Anti-Waffen-Aktivistin Emma González, die Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez und die Fußballerin Megan Rapinoe auf sich aufmerksam. Die Premierministerin von Neuseeland ist noch unter 40 Jahre, die in Island nur wenig älter. Wir werden momentan Zeuge einer globalen Generation von Frauen, die sich das Recht herausnimmt, Macht zu ergreifen.

Ist das mehr als Zufall?

Das kann ich mir vorstellen. Ich weiß nur nicht, warum.

Sie sind 35. Wie lange können Sie noch für die junge Generation sprechen?

Ich kann nicht mehr für sie sprechen. Aber ich kann für sie eintreten und sie verteidigen und mit Kontakten und Wissen helfen. Das ist noch sehr lange möglich. Auch mit 90.

Dr. Sven Murmann im Interview über 25 Jahre Engagement für die sdw

Seit 2010 ist Dr. Sven Murmann als stellvertretender Vorsitzender im Vorstand der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw). Damit führt er die Arbeit seines Vaters Prof. Dr. Klaus Murmann fort, der 1994 als Arbeitgeberpräsident maßgeblich an der Gründung der sdw beteiligt war und die Stiftung Studienförderwerk Klaus Murmann unter dem Dach der sdw ins Leben rief. Seine Mutter, Dr. Hannelore Murmann, engagierte sich ebenfalls in der Stiftung Studienförderwerk Klaus Murmann und gründete 2017 die Förderstiftung Hannelore Murmann in der sdw.

#25Jahresdw bedeutet 25 Jahre Engagement der Familie Murmann: Auch Dr. Sven Murmanns Geschwister Nicola Keim, Dr. Ulrike Murmann und Jan Murmann sowie weitere Familienmitglieder engagieren sich für die sdw. Im Interview erzählt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende, woher diese Verbundenheit kommt, welche Momente aus 25 Jahren Stiftung ihm besonders im Gedächtnis geblieben sind und mit welchen Themen sich die sdw zukünftig beschäftigen sollte.

Verantwortung über die Grenzen hinaus – unterwegs mit dem Tönissteiner Kreis

Die sdw arbeitet mit zahlreichen Partnern zusammen, um den Geförderten unterschiedliche Einblicke und Impulse zu ermöglichen. Schon seit vielen Jahren verbindet das Studienförderwerk eine lebendige Kooperation mit dem Tönissteiner Kreis.

Der Tönissteiner Kreis ist ein überparteiliches Netzwerk auslandserfahrener Führungskräfte aus Deutschland. Er versteht sich als Dialog- und Projektforum für gesellschaftsrelevante Themen und gemeinnütziges Engagement.

Zwanzig Stipendiatinnen und Stipendiaten hatten am 13. Mai 2019 die Möglichkeit, Mitglieder des Kreises in ihrem jeweiligen Arbeitsumfeld kennenzulernen und spannende Einblicke in drei verschiedene Institutionen und Unternehmen zu erhalten. Gemeinsam ist allen auf der Tour besuchten Tönissteinerinnen und Tönissteinern ihre internationale Ausrichtung und der ständige Blick über den Tellerrand.

Dr. Philipp Wendel, Diplomat beim Auswärtigen Amt, berichtete von den verschiedenen Auslandseinsätzen und seiner aktuellen Tätigkeit als Leiter der Arbeitseinheit Außenpolitische Dimension der Energiewende. Beim nächsten Stopp der Tour ermutigte Henriette Peucker von der Strategieberatung Hering Schuppener Consulting die Teilnehmenden, Chancen zu ergreifen und nicht vor Hürden zurückzuschrecken. Auch wenn die Arbeit in anderen Ländern großen Einfluss auf das Privatleben hat und manch ein Umzug schwierig sein kann, lohne es sich, mutig zu sein und den eigenen Interessen zu folgen. Ihr eigenes internationales Unternehmen haben Dr. Marie Louise Seelig und Dr. Daniel Wigbers mit Acatus gegründet, einem Start-up im FinTech-Bereich. Trotz zahlreicher Möglichkeiten, spannende Jobs zu übernehmen, haben sich die beiden ganz bewusst für eine Gründung entschieden. Jetzt könnten sie sich „zu 1000 Prozent“ mit dem identifizieren, was sie machen.

Die Berlin-Tour „Internationale Karrieren“ und die Begegnungen mit Führungskräften aus dem Tönissteiner Kreis stößt stets auf großes Interesse bei den Stipendiatinnen und Stipendiaten der sdw. Die Tour fand dieses Jahr zum vierten Mal statt. Zahlreiche Alumnae und Alumni sind – zum Teil auf Vorschlag der sdw – selbst Mitglieder des Kreises geworden. Das Begabtenförderungswerk hat ein Vorschlagsrecht. Schon vor dem Einstieg ins Berufsleben engagieren sich einige Geförderte im Studierendenforum des Tönissteiner Kreises, einem eigenständigen Verein.

Seit 2011 ist die sdw mit Dr. Arndt Schnöring im Kuratorium des Tönissteiner Kreises vertreten, zuvor mit Hans-Jürgen Brackmann. Die institutionelle Zusammenarbeit hat Tradition! Anlässlich unseres 25-jährigen Jubiläums haben wir Geschäftsführerin Alexandra Heldt ein paar Fragen zu der erfolgreichen Kooperation gestellt.

Fünf Fragen an Alexandra Heldt, Geschäftsführerin des Tönissteiner Kreis e. V. :

Wir engagieren uns seit 1958 für die internationale Ausrichtung des Führungsnachwuchses, weil…

…nur so eine kulturelle, wirtschaftliche und politische Einbettung Deutschlands in die internationale Gemeinschaft nachhaltig gesichert ist.

Internationalität in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik fördern wir, indem…

…der Tönissteiner Kreis durch Förderprogramme, Mentoring, Studienreisen und internationale Vernetzung jungen Menschen einen Blick über den Tellerrand und Starthilfe weltweit bietet.

Geförderte und Alumnae/Alumni der Stiftung der Deutschen Wirtschaft passen gut zu uns, weil…

…der Tönissteiner Kreis und sein Studierendenforum das Engagement und die Mitgliedschaft von jungem, leistungsstarkem und engagiertem Nachwuchs aus der sdw gern willkommen heißen. Der Tönissteiner Kreis ergänzt die Förderung der sdw durch die internationale Komponente und eine entsprechende Vernetzungsplattform.

Besonders stolz sind wir, dass wir in den letzten Jahren mit der sdw erreicht haben, dass…

…beide Förderinstitutionen und ihre Nachwuchsarbeit erfolgreich und exponentiell gewachsen sind. Tönissteiner Kreis und sdw haben durch regelmäßigen Austausch und durch gemeinsame Formate eine Bereicherung in der Nachwuchsarbeit erreicht, die bei den sdw-Geförderten auf großes Interesse stößt.

Für die nächsten 25 Jahre wünschen wir der sdw…

…ein begeistertes „Weiter so!“ und gern noch mehr!

Chancen stiften, Potenziale wecken

Seit 25 Jahren bietet die Stiftung der Deutschen Wirtschaft ihren Stipendiatinnen und Stipendiaten eine Vielfalt an Förderprogrammen. Davon profitieren junge Menschen unterschiedlichsten Alters und mit verschiedenen Voraussetzungen: Schülerinnen und Schüler, Auszubildende, leistungsstarke und engagierte Studierende und junge Berufstätige.

Den ganzen Beitrag finden Sie auf der enorm-Website.

„Ohne die sdw hätte ich das niemals geschafft“

Ursula Reinartz und Kheder Khalaf/ Foto: Markus Quabach

Kheder Khalaf kam aus dem Irak nach Deutschland. Als Ehrenamtliche der sdw half ihm Ursula Reinartz, Hürden erfolgreich zu nehmen.

Im Frühjahr 2009 flüchtete Kheder Khalaf aus dem Irak nach Deutschland, in ein Land, dessen Kultur und Sprache ihm fremd waren. Er besuchte Sprachkurse, holte sein Abitur nach. Im Sommer 2017 schloss er sein Bachelorstudium erfolgreich ab und kurz darauf erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft. Die ersten Jahre in der neuen Umgebung waren eine aufregende, aber auch sehr anstrengende Zeit, bei der ihn die Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw) ein Stück weit begleiten und unterstützen konnte.

Fast drei Wochen dauerte sie, die Flucht aus dem Irak nach Deutschland. Eine unvorstellbare Fahrt von Mossul über die Türkei, Griechenland und Italien nach München – im Lastwagen mit 20 anderen. Doch es ging nicht anders: „Ich wollte eine sichere Zukunft haben, das war und ist für Jesiden und andere Minderheiten im Irak nicht möglich“, erklärt Kheder Khalaf. In München angekommen, meldete sich der damals 22-Jährige bei der Polizei, nach dreieinhalb Monaten bekam er eine Niederlassungserlaubnis. Sein Weg führte ihn weiter nach Bielefeld, wo seine Tante mit ihren Kindern wohnt. Kheder hatte viel vor: Sein Abitur und Studium aus dem Irak wurden in Deutschland nicht anerkannt, er wollte diese neue Chance nutzen und alles nachholen.

Bei den ersten Schritten auf diesem Weg stand ihm die Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw) unterstützend zur Seite. Seit 2010 nahm Kheder in Bielefeld am sdw-Programm „Unternehmen:Jugend“ teil, dessen Idee heute in dem Programm „Zeig, was Du kannst!“ fortgeführt wird. Ziel ist es, junge Menschen mit schwierigen Startbedingungen auf die Anforderungen der Arbeitswelt vorzubereiten und zu einem erfolgreichen Schulabschluss zu motivieren.

Kheder besuchte zunächst einen Deutschkurs beim Internationalen Bund. Dort wurde er auf das Förderprogramm der sdw aufmerksam und bewarb sich kurzerhand. Zu diesem Zeitpunkt konnte er noch nicht ahnen, dass er dort auf eine Person trifft, die seine Zukunft maßgeblich beeinflussen sollte: „Kheder ist mir sofort als ein ganz besonders fleißiger und kommunikativer Mensch aufgefallen“, erinnert sich Ursula Reinartz an ihre erste Begegnung mit ihm. Die ehemalige Lehrerin für Deutsch und Evangelische Religionslehre betreute in Bielefeld für „Unternehmen:Jugend“ eine Gruppe von 20 jungen Menschen. Kheder war einer von ihnen.

Ursula Reinartz kümmerte sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen um die Organisation von Workshops, suchte nach Praktikums- und Ausbildungsplätzen und unterstützte die Teilnehmenden bei Behördengängen. Doch ihr Engagement ging weit über Bewerbungstrainings und Betriebsbesichtigungen hinaus: Die heute 76-Jährige stand auch im Alltag mit Rat und Tat zur Seite und war eine dauerhafte Ansprechpartnerin für viele der jungen Erwachsenen. „Ich habe versucht, den Teilnehmenden immer wieder Mut zu machen.“

Kheder berichtet auf der sdw-Jubiläumsveranstaltung in Düsseldorf von seinem Weg.

Rückblickend sagt Kheder: „Ich wusste damals zwar, was ich machen wollte, aber nicht, wie ich das erreichen konnte. ‚Unternehmen:Jugend‘ hat mir Orientierung gegeben.“ Die sdw hat ihn für das Stipendienprogramm „Geh Deinen Weg“ der Deutschlandstiftung Integration vorgeschlagen, das es ihm ermöglicht hat, im Sommer 2013 sein Abitur abzuschließen – mit einem Durchschnitt von 1,8! Danach war es erneut Ursula Reinartz und „Unternehmen:Jugend“, die Kheders Weg entscheidend beeinflusst haben: Mir ihrer Hilfe konnte er sich einen Praktikumsplatz bei den Stadtwerken Bielefeld sichern – ein Unternehmen, das er im Vorfeld bereits während seiner Zeit beim sdw-Programm im Rahmen eines „Future Camps“ kennengelernt hatte. Bei diesen zweitägigen Workshops bekamen die Teilnehmenden neben zahlreichen Tipps für Bewerbungsgespräche auch die Chance, Unternehmen zu besichtigen und mit Personalverantwortlichen in Kontakt zu kommen. Das Praktikum bei den Stadtwerken ermöglichte Kheder den nächsten großen Schritt: Ein Studium der Ingenieurinformatik an der Fachhochschule Bielefeld, das er mittlerweile erfolgreich abgeschlossen hat. „Ohne die sdw und Frau Reinartz hätte ich das niemals geschafft“, sagt er heute.

Der Kontakt zwischen Ursula Reinartz und Kheder Khalaf ist auch während des Studiums nicht abgerissen, im Gegenteil: Die ehemalige Deutschlehrerin übernahm die Korrekturen seiner Bachelorarbeit, unterstützte ihn bei den Anträgen für die deutsche Staatsbürgerschaft und verhalf ihm schließlich sogar über Kontakte zu seinem ersten Job bei der Resolto Informatik GmbH. „Wir haben Kheder bei ‚Unternehmen:Jugend‘ immer gesagt, dass es wichtig ist, zuzuhören, viel mitzuschreiben, Fragen zu stellen und sich an der Universität gleich deutschen Kommilitonen anzuschließen – das ist entscheidend für das Erlernen der Sprache. Das hat ihm im Studium und danach viel geholfen und sogar eine Stelle als Tutor beschert“, freut sich Ursula Reinartz über die Erfolge ihres Schützlings. „Frau Reinartz und ich sind wie eine Familie geworden“, bringt es Kheder, dessen Eltern noch im Irak leben, auf den Punkt. Sein nächstes Ziel: ein berufsbegleitender Master, bei dem ihm Ursula Reinartz natürlich auch wieder mit Rat und Tat zur Seite stehen wird.

In der sdw engagieren sich rund 1.000 Menschen auf verschiedene Art und Weise. Alle gemeinsam setzen sich für Bildungschancen ein. Wenn Sie auch dazu gehören möchten, finden Sie weitere Informationen auf www.sdw.org.

Fotos: Markus Quabach

Aus Wissensdrang zum Buchautor und Verlagsgründer

Wie die Studienzeit zur Gründerzeit wird: Zwei Studenten erobern mit ihrem Klimabuch den Markt

Die Zeit des Studiums bietet oft die nötige Freiheit und zugleich eine Umgebung voller Wissensdrang und -austausch, um innovative Ideen auszuprobieren. Die sdw ermutigt ihre Stipendiatinnen und Stipendiaten, Visionen zu verfolgen und unterstützt sie dabei, sie umzusetzen und unternehmerische Praxiserfahrungen zu sammeln. Einer dieser Stipendiaten mit Unternehmergeist ist Christian Serrer, der sich gemeinsam mit seinem Kommilitonen David Nelles von der Debatte um den Klimawandel inspirieren ließ. Während einer Diskussion merkten sie, dass ihnen die harten Fakten zum Klimawandel fehlten und beschlossen daher, selbst tätig zu werden – erst als Autoren und schließlich als Verleger. Denn bei der Produktion ihrer kompakten Wissenslektüre „Kleine Gase – Große Wirkung: Der Klimawandel“ wollten sie keine Kompromisse mit großen Verlagshäusern eingehen. Um hochwertig, umweltschonend und zugleich preisgünstig zu produzieren, entschieden sie sich für die Gründung eines eigenen Verlags. Was genau hinter dem Buch steckt, wie sie es geschafft haben, das Buch erfolgreich auf den Markt zu bringen und welche Rolle Erfahrungsaustausch zwischen Gründungsinteressierten spielt, verrät Co-Autor und sdw-Stipendiat Christian Serrer im Interview.

Christian Serrer und David Nelles, Autoren von „Kleine Gase – Große Wirkung: Der Klimawandel“ und Verlagsgründer

Christian, du hast zusammen mit deinem Kommilitonen David Nelles erst ein Buch über den Klimawandel geschrieben und anschließend einen eigenen Verlag gegründet. Dies kostet viel Zeit und Kraft. Woher hast du deine Motivation dafür genommen?

Die anfängliche Motivation bestand darin, erst einmal selbst wissen zu wollen, was Klimawandel denn nun wirklich bedeutet. Als wir dann die Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit der Thematik verstanden hatten, wollten wir mit unserem zusammengetragenen Wissen so viele Menschen wie möglich erreichen. Mit diesem Ziel vor Augen, einem genauso spannenden wie gesellschaftlich relevanten Thema und einer ordentlichen Portion Wissensdurst hatten und haben wir immer noch eine riesige Motivation über den Klimawandel informieren zu wollen. 

Wie bist du beziehungsweise seid ihr auf die Idee gekommen, euren eigenen Verlag zu gründen?

Da wir mit unserem Buch so viele Menschen wie möglich über die wissenschaftlich gesicherten Ursachen und Folgen des Klimawandels informieren wollten, war uns von Anfang an klar, dass der Buchpreis kein Hindernis sein darf, um sich zu informieren. Daher haben wir beschlossen, dass unser Buch nicht mehr kosten wird als eine Pizza – nämlich fünf Euro. Nach ersten Gesprächen mit Verlagsexperten wurde schnell klar, dass sich dieser niedrige Buchpreis bei gleichzeitig hochwertigem und umweltfreundlichem Druck nicht mit einem klassischen Verlagsapparat realisieren lässt. So entschieden wir, unseren eigenen Verlag zu gründen.

„Wer verstehen will, warum es die Energiewende benötigt, muss das Problem des Klimawandels verstehen und diese >>Aufklärungsarbeit<< wollen wir mit unserem Buch übernehmen.“

sdw-Stipendiat Christian Serrer

Was waren für dich die größten Herausforderungen bei der Gründung?

Die größte Herausforderung bestand sicherlich – bei all der Motivation über den Klimawandel informieren zu wollen – darin, die offiziellen Formalien einer Gründung nicht zu vernachlässigen. Gerade, wenn es um wichtige Punkte wie die Festlegung der Rechtsform geht, aus welcher sich viele Konsequenzen ergeben, ist es wichtig, sich tiefgehend zu informieren, um am Ende nicht mit unerwünschten Überraschungen einer unüberlegten Entscheidung konfrontiert zu werden.

Wie seid ihr vorgegangen bei der Publizierung und dem Vertrieb eures ersten Buches? Wie habt ihr die Presse von eurem Projekt begeistert? Welche Unterstützung hattet ihr?

Wir haben unser Buch am 4. Dezember 2018 mit einer Pressekonferenz in München veröffentlicht. Davor hatten wir bereits angefangen, Journalistinnen und Journalisten per E-Mail zu kontaktieren und diese von unserem Buchprojekt zu begeistern. Dabei konnten wir glücklicherweise viele UnterstützerInnen gewinnen, die uns bei der Veröffentlichung mit einem Artikel unterstützt haben. Entscheidend war hierbei sicherlich das Konzept unseres Buches – kurze Texte, viele anschauliche Grafiken und alles basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen – sowie die doch etwas ungewöhnliche Geschichte hinter unserem Buch und, dass wir es zeitgleich zur Weltklimakonferenz in Katowice veröffentlicht haben. So wurde über unser Buch in vielen Zeitungen wie der Süddeutschen, aber auch im Rundfunk sowie im Fernsehen berichtet.

Wie kam es bei der Publikation zur Zusammenarbeit mit dem Think Lab Energie – Gesellschaft – Wandel?

Der Kontakt zum Think Lab Energie – Gesellschaft – Wandel hat sich bei einem Gespräch mit dem hierfür verantwortlichen Projektleiter Jörg Hülshörster ergeben, welcher auch zeitgleich meine Regionalgruppe der sdw betreut. Da das Think Lab Projektvorhaben im Bereich der Energiewende fördert und das übergeordnete Ziel hat, den Klimawandel zu begrenzen, liegt eine Zusammenarbeit natürlich auf der Hand: Wer verstehen will, warum es die Energiewende benötigt, muss das Problem des Klimawandels verstehen und diese „Aufklärungsarbeit“ wollen wir mit unserem Buch übernehmen.

„Der Mehrwert aus fachlichem Input und Erfahrungsaustausch im sdw-Netzwerk, hat auch mir bei der Gründung sehr geholfen.“

sdw-Stipendiat Christian Serrer

Inwiefern war für dich die Stiftung der Deutschen Wirtschaft und die Zusammenarbeit mit dem Think Lab hilfreich für die Gründung?

Für mich ergibt sich der Mehrwert in Sachen Gründung durch die sdw vor allem aus zwei Punkten: Zum einen sind viele der Seminare auf das Thema Gründung ausgelegt, bei denen man fachlichen Input erhält. Zum anderen findet bei Gesprächen mit StipendiatInnen während und nach den Seminaren ein gewinnbringender Erfahrungsaustausch statt – denn in der sdw gibt es sehr viele sowohl Gründungsinteressierte, als auch gründungserfahrene Stipendiaten. Dieser Mehrwert aus fachlichem Input und Erfahrungsaustausch hat auch mir bei der Gründung sehr geholfen.

Was würdest du rückblickend anders machen und welchen Tipp würdest du zukünftigen Gründerinnen und Gründer mit auf den Weg geben?

Was ich ihnen auf jeden Fall mit auf den Weg geben möchte ist, dass eine Idee auf keinen Fall verworfen werden sollte, nur, weil andere die Idee für unmöglich halten. Wer für seine Idee brennt und offen dafür ist, neue Wege zu gehen, der wird es auch schaffen, das Unmögliche möglich zu machen.

Wie geht es nach der Herausgabe des ersten Buches weiter? Stehen neue Projekte an?

Aktuell haben wir mit unserem Buch noch alle Hände voll zu tun. Allerdings habe ich mittlerweile auch einen enormen Drang, nicht nur über den Klimawandel informieren zu wollen, sondern auch selbst anzupacken und etwas dagegen zu unternehmen. Daher werde ich das Thema auf jeden Fall weiterverfolgen und mich in meinem beruflichen Leben dafür einsetzen, die globale Erwärmung so gering wie möglich zu halten. Da die Wirtschaft den größten Hebel in der Hand hält, um unsere Emissionen zu reduzieren, könnte ich mir daher beispielsweise sehr gut vorstellen, als treibende Kraft den Ausbau neuer Technologien voranzutreiben. Auf jeden Fall ist mir das Thema mittlerweile eine richtige Herzensangelegenheit geworden und ich möchte auch andere Menschen dazu motivieren, sich für den Klimaschutz einzusetzen.

Mehr Informationen zum Klimabuch „Kleine Gase – Große Wirkung: Der Klimawandel“ finden Sie hier.

Erfahren Sie hier mehr über das Think Lab Energie – Gesellschaft – Wandel, eine Initiative der innogy Stiftung und der sdw.

#25Jahresdw – Ein Vierteljahrhundert voller Bildungschancen

Zusammen stiften wir Chancen für die nächste Generation – seit 25 Jahren

Meine Damen und Herren,

sdw-Generalsekretär Dr. Arndt Schnöring
sdw-Generalsekretär Dr. Arndt Schnöring

25 und 21 – dies sind Zahlen, die für die Geburtsstunde der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw) stehen. Vor 25 Jahren wurde die sdw auf Initiative der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) unter Federführung des damaligen Arbeitgeberpräsidenten Prof. Dr. Klaus Murmann ins Leben gerufen. Als Stifter haben sich die Arbeitgeberverbände und ganz wesentlich Prof. Dr. Klaus Murmann und Dr. Hannelore Murmann persönlich in die sdw eingebracht. Ein Jahr nach der Gründung stand die 21 im Mittelpunkt: 21 Stipendiatinnen und Stipendiaten waren die Allerersten, die damals in das Studienförderwerk der sdw aufgenommen wurden.

Dass seitdem viel passiert ist, lässt sich leicht an Zahlen ablesen: Über 3.800 junge Menschen werden aktuell gefördert. Weit mehr als 10.000 Talente haben unsere Förderangebote bereits erfolgreich durchlaufen. Längst sind zum Studienförderwerk weitere maßgeschneiderte Bildungsprogramme und Transferprojekte hinzugekommen – entlang der gesamten Bildungskette, von der Grundschule bis zur Promotion. Zudem vergrößern wir die Reichweite der Stiftungsprogramme, indem wir beispielsweise durch Unterrichtseinheiten und Lehrerfortbildungen erprobte Konzepte im Bildungssystem weitergeben. Viele tausend junge Menschen in ganz Deutschland profitieren so jedes Jahr von unserem Know-how.

Über 400 Unternehmen, Stiftungen, Arbeitgeberverbände und Ministerien sowie rund 1.000 Ehrenamtliche unterstützen die Gemeinschaftsinitiative sdw. Zusammen stiften wir Chancen für die nächste Generation – seit 25 Jahren!

Mit einem Hashtag durch das Jahr

Vieles verändert sich in einem Vierteljahrhundert. Das Wort Hashtag gab es 1994 noch gar nicht, heute ist ein Hashtag unser roter Faden durch das Jubiläumsjahr. Für dieses haben wir uns einiges vorgenommen: Auf unserem neuen Onlineangebot www.wir-stiften-chancen.de werden wir Ihnen in den nächsten Monaten unter #25Jahresdw von unserer Arbeit und von unseren Geförderten erzählen, die ihre Chancen ergriffen haben und der sdw noch immer eng verbunden sind. Alle Informationen aus unseren Social Media Kanälen führen wir hier zusammen und laden alle Begleiterinnen und Begleiter aus 25 Jahren herzlich ein, sich zu beteiligen und von ihren besonderen sdw-Momenten zu erzählen. Nutzen Sie einfach #25Jahresdw und werden Sie Teil der Social Wall auf www.wir-stiften-chancen.de.

Ausführlich werden wir uns in der Schlaglichter-Rubrik mit den Bildungsthemen beschäftigen, die für uns besonders relevant sind. Expertinnen und Experten werden genauso zu Wort kommen wie langjährige Unterstützerinnen und Unterstützer, die unsere Arbeit und damit auch das Leben vieler junger Menschen geprägt haben. Auch publizistisch, klassisch auf Papier, werden wir uns im Jahresverlauf noch einmal zu Wort melden. Lassen Sie sich überraschen!

Ganz analog möchten wir natürlich auch feiern. Gemeinsam mit den regionalen Arbeitgeberverbänden unternehmer nrw, NORDMETALL, vbw Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft und Südwestmetall, die zum Stifterkreis der sdw zählen, werden wir auf Jubiläumsveranstaltungen in Düsseldorf, Hamburg, München und Stuttgart die Wirtschaft mit unseren Geförderten ins Gespräch bringen. Zusammen möchten wir diskutieren, wie wir gemeinsam auch zukünftig einen Beitrag zu einer chancengerechten Gesellschaft leisten können und wie wir junge Menschen bestmöglich dabei unterstützen, ihre Berufs- und Bildungswege erfolgreich zu gestalten. Auch darüber halten wir Sie natürlich auf wir-stiften-chancen.de auf dem Laufenden.

Schauen Sie auch auf unsere Website und machen Sie sich schon heute ein Bild von den Handlungsfeldern, auf denen wir tätig sind. Informieren Sie sich dort gerne ausführlich über unsere Programme für Schülerinnen und Schüler und Studierende und über unsere Transferaktivitäten. Natürlich erfahren Sie dort auch, wie Sie Teil der großen sdw-Familie werden können, z. B. als Fördernde oder als Ehrenamtliche – es gibt viele Möglichkeiten Chancen zu stiften.

Wir freuen uns auf ein spannendes Jubiläumsjahr und laden Sie herzlich ein mitzumachen, mitzureden und mitzufeiern: #25Jahresdw

Ihr

Dr. Arndt Schnöring
Generalsekretär der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw)